
Am 24. Juli machte sich unsere 11. Delegation aus Leverkusen auf den Weg nach Tansania: Ann Kristin Adolphs, Thomas Frede, Florian Mielchen, Nicole Sperlich, Frank Witasek und Pfarrerin Jutta Weigler. Wir reisten anlässlich des 40-jährigen Bestehens unserer Partnerschaft zwischen dem Church District Lukajange der Karagwe-Diözese und dem Kirchenkreis Leverkusen, das wir im vergangenen Jahr feiern konnten.
34 Stunden dauerte die Anreise. Was dann vor uns lag, waren drei Wochen voller Begegnungen, Gastfreundschaft und gemeinsamer Erfahrungen – und die Erkenntnis, wie lebendig und tragfähig eine Partnerschaft nach mehr als 40 Jahren sein kann.
Ein Schwerpunkt unserer Reise war das Thema Wasser.
Wir sahen Brunnen und Wasserpumpen, besuchten Projekte und erfuhren, wie sehr der Zugang zu Wasser den Alltag von Menschen verändert. Besonders eindrücklich war dies, als wir die Gemeinde in Rukole besuchten. Dort wurde mit Hilfe des Freundeskreises im letzten Jahr ein Brunnen neben der Kirche fertiggestellt, sodass die Menschen im Umkreis wesentlich leichter an das Wasser für ihren täglichen Bedarf kommen. Und wer die üblichen Wege und die Größe der Wasserkanister kennt, weiß, wie viel Segen in dieser Brunnenbohrung und der Wasserpumpe liegt.
Mit unserer Partnerschule Tegemeo Primary School sind wir besonders verbunden. Wir durften die Abschlussfeier der siebten Klassen miterleben – es war ein buntes Fest mit viel Tanz und Gesang und vor allem mit stolzen jungen Menschen. Für insgesamt 23 Schüler*innen besteht durch den Freundeskreis eine Patenschaft, sodass durch diese Unterstützung ihr Schulbesuch an der kirchlichen Privatschule auch ohne eigene finanzielle Mittel möglich ist. Zu erleben, was Partnerschaft für diese jungen Menschen konkret bedeuten kann, war ein nachhaltiger Eindruck unserer Reise. Dort profitieren die Schüler*innen ebenfalls von einem bereits verwirklichten Wasserprojekt. Wasser ist Leben.
Ebenso besuchten wir Kaffeeplantagen, auf denen Pflanzen aus Partnerschaftsprojekten wachsen, sahen einen neu entstehenden Brunnen und konnten erleben, wie aus vielen kleinen und größeren Projekten konkrete Verbesserungen für Menschen entstehen.
Ein weiterer Schwerpunkt waren die Frauengruppen und Mikrokreditprojekte.
In vielen Gemeinden begegneten wir Frauen, die mit Unterstützung der Partnerschaft eigene kleine Projekte aufgebaut haben – etwa mit Kühen, Ziegen, einer Bäckerei, im Gartenbau oder durch Nähen.
Wir waren berührt von der Dankbarkeit, aber ebenso vom Selbstbewusstsein und der Eigeninitiative, die uns begegneten. Die Projekte eröffnen Frauen neue Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen und ihre Familien und Gemeinden mitzugestalten.
Dabei haben wir die Partnerschaft nie als Einbahnstraße erlebt. Im Gegenteil: Wir waren tief beeindruckt davon, wie sehr das Band der Verbundenheit trägt.
Die Christinnen und Christen in Tansania haben uns durch ihre Art zu glauben, zu feiern und Menschen willkommen zu heißen, selbst beschenkt und bereichert.
Die gemeinsamen Gottesdienste waren besondere Höhepunkte: voller Musik, Tanz, Gebet und einer Lebendigkeit, die uns nachhaltig beeindruckt hat. Auch wenn wir nicht immer dieselbe Sprache gesprochen haben, waren wir im Glauben miteinander verbunden. Und so konnten wir sogar auf Swahili mitsingen. Die Musik der Chöre werden wir noch lange in unseren Herzen tragen.
Wir besuchten alle 9 Gemeinden und ihre Bezirke. Überall begegneten uns Menschen, die uns mit großer Offenheit empfingen. Besonders eindrücklich war unser Besuch in der neu gegründeten Gemeinde Chonyonyo. Dort war die mehr als 40-jährige Partnerschaft sichtbar: auf einem Jubiläumsplakat, am Stein der Partnerschaft und auf unserem neu überreichten Banner.
Immer wieder wurde uns deutlich, wie konkret diese Partnerschaft wirkt. Die vielfältigen Wasser-, Bildungs- und Förderprojekte haben den Alltag vieler Menschen würdevoller und leichter gemacht. Unsere finanzielle Unterstützung hat sicherlich dazu beigetragen, dass manches schneller möglich wurde und sich Lebensbedingungen nachhaltig verbessern konnten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es für unseren Partnerkirchenkreis Lukajange weiterhin viele Herausforderungen gibt, bei denen wir gemeinsam nach Lösungen suchen können. Und wir selbst haben erfahren, wie viel wir aus dieser Partnerschaft mit nach Hause nehmen.
Wir haben gelernt, anders auf Wasser zu schauen. Wir haben neue Perspektiven auf Gemeinschaft und Glauben gewonnen. Dabei wurde uns auch bewusst, dass wir als Kirchenkreis in diesen Bereichen noch manches lernen und tun können. Und wir haben erlebt, dass Gastfreundschaft keine Frage der Sprache ist. Oft war es ein Lächeln, eine helfende Hand, ein gemeinsames Essen oder ein Gebet, das uns verbunden hat.
Nach drei Wochen hieß es Abschied nehmen. Unsere Koffer waren voller Geschenke – auch für die Freund*innen, die in Deutschland blieben. Unsere Herzen aber waren noch viel voller: mit neu gewonnener Freundschaft, Dankbarkeit, Glauben und Verbundenheit. Besonders verbunden sind wir auch mit unseren Gastfamilien, die mit uns ihr Leben, ihren Glauben und ihr Zuhause teilten. Wir werden einander nicht vergessen. Vielen Dank für alles.
Wir kamen nach Tansania, um Menschen kennenzulernen.
Und wir kamen zurück mit der Gewissheit:
Wir gehören zusammen.
Wir mussten keine Familie werden.
Wir waren es schon.
Die Reise hat uns nur die Gelegenheit gegeben, das zu spüren.
Seit 1985 verbindet uns diese Partnerschaft. Mehr als 40 Jahre gemeinsame Geschichte. Wir durften für drei Wochen ein Teil davon sein.
Und wir sind reich beschenkt nach Hause gekommen.
Vielen Dank an alle, die auf tansanischer und deutscher Seite diese Reise ermöglicht haben, besonders an Dean Rev. Yared Wakami und Pfarrerin Anne Becker. Und vielen Dank auch an die Mitreisenden, die ihre Zeit, ihre Abenteuerlust und ihre offenen Herzen eingebracht haben.
Für die Delegation
Pfarrerin Jutta Weigler