16.11.2019

Kirche mit Zukunft, Kirche der Zukunft
Kreissynode Leverkusen tagte in Quettingen
Mit Zukunftsfragen beschäftigten sich die rund 70 Delegierten bei der Herbstsynode des Kirchenkreises Leverkusen. Superintendent Gert-René Loerken warb dafür, den notwendigen Wandel der Kirche aus einer klaren Grundhaltung heraus zu gestalten.


Die Synode singt

Bei abnehmenden Mitgliederzahlen in der Zukunft gelte es, bescheiden zu sein, aber zugleich mutig und zuversichtlich. "Christinnen und Christen werden in Zukunft nicht mehr die Mehrheit sein, aber unter allen religiösen und weltanschaulichen Gruppen sind sie mit die interessanteste Gruppe. Es wird in Zukunft nicht mehr überall Kirchen und Gemeindehäuser geben, aber das heißt nicht, dass sich die Kirche zurückzieht; ganz im Gegenteil werden die Angebote, die Kirche macht, noch lebendiger, noch zielgerichteter und näher an den Menschen sein", sagte der Superintendent. „Die Kirche der Zukunft wird Treffpunkt und geistlicher Ort engagierter Christinnen und Christen sein und soziale und seelsorgliche Aufgaben anpacken“.

Auch Kirchenrat Markus Schaefer (Düsseldorf) ermutigte den Kirchenkreis Leverkusen dazu, noch stärker ökumenisch zu denken: "Wie können wir in 10 oder 20 Jahren als christliche Kirchen zusammenarbeiten und uns auch arbeitsteilig vertreten?" Grundsätzliche Offenheit für mehr Ökumene betonte auch der Leverkusener Stadtdechant Monsignore Heinz-Peter Teller: "Dass wir zusammenhalten, ist selbstverständlich!"

Die Synode beschloss einen geregelten Prozess, zu dem ein Lenkungsausschuss und Arbeitsgruppen eingerichtet werden. Ziel ist, dass in Zukunft die pastorale Versorgung sichergestellt ist, es sollen zentrale gemeindliche Aufgaben (Kirchenmusik, Jugendarbeit, Diakonie) gesichert werden, Presbyterien sollen unterstützt werden und mit Liegenschaften, Personal und der Digitalisierung professionell umgehen.

Die Synode beschloss die  Jahresabschlüsse und  Wirtschaftspläne des Kindertagesstättenverbundes und des Diakonischen Werkes. Der Haushaltsplan 2020 des Kirchenkreises rechnet mit Aufwendungen in Höhe von 8,4 Mio €, wobei 200.000 € aus Rücklagen entnommen werden müssen. Die Konsolidierung muss noch weiter fortgesetzt werden.

Zukunft und Nachhaltigkeit: Leverkusens Bürgermeister Gerd Wölwer betonte in einem Grußwort das solidarische Miteinander, zu dem die Kirche in der Stadtgesellschaft einen wichtigen Beitrag leiste. Er lobte die kirchlichen Initiativen, nachhaltige Güter zu kaufen, z.B. Kaffee aus Eine-Welt-Läden oder umweltfreundliches Büromaterial. Die Synode beschloss, bei Online-Käufen grundsätzlich ökofaire Waren über das kirchliche Einkaufsportal www.wir-kaufen-anders.de zu beschaffen. Die Synodaltagung war "klimaneutral", was bedeutet, dass die Energieverbräuche für Heizung, Strom, Papier, Verpflegung und Mobilität aller Synodalen ausgewertet und durch eine "Klimakollekte" kompensiert werden. Den Synodalen, die auch in ihren Gemeinden für Veranstaltungen und Gebäude verantwortlich sind, erleben so ein sehr konkretes Beispiel nachhaltigen Handelns im kirchlichen Alltag.

Zukunft für die Manforter Johanneskirche: Die Synodalen nahmen mit großer Zustimmung Pläne zur Kenntnis, nach der die Manforter Johanneskirche denkmalgerecht umgebaut werden und eine 5-gruppige Kindertagesstätte aufnehmen soll. Mit bestehenden und neuen Gebäuden soll auf dem Gelände ein Diakoniezentrum entstehen mit Diakoniestation, preisgedämpften Mietwohnungen, Betreutem Wohnen und dem Nachbarschaftszentrum. Die äußere Ansicht der Johanneskirche, die bunten Glasfenster  und der Glockenturm, aber auch wesentliche Teile des Innenraums bleiben unverändert erhalten. Lediglich die Seitenschiffe werden erweitert, um den notwendigen Raum im Inneren für die Kindertagesstätte zu schaffen. Verwaltungsleiter Michael Posthaus stellte umfangreiche Vorarbeiten unter verbindlicher Beteiligung der Denkmalbehörden dar: "Schon heute ist evangelische Kirche in Manfort mit einem vielfältigen Angebot im Nachbarschaftszentrum präsenter als früher. Ziel des Kirchenkreises ist es, dass Evangelische Kirche in Manfort auch in Zukunft sichtbar bleibt und den Menschen im Stadtteil  Anlaufpunkte bietet." Auch das gottesdienstliche Leben wird sich in Zukunft an den vielen neuen Nutzern orientieren. So wird es Räume geben für KiTa-Gottesdienste anstelle von Sonntagsgottesdiensten - zumal die Gemeinden Leverkusen-Mitte und Schlebusch ihr gottesdienstliches Engagement in der Johanneskirche laut Vertrag Ende 2020 einstellen. Viele Gemeindemitglieder haben die Wege in die Gottesdienste in Leverkusen-Mitte und Schlebusch bereits gefunden.

Zukunft des Superintendentenamtes: Die Synode beschloss, dass nach der Pensionierung von Gert-René Loerken im übernächsten Jahr ein hauptamtlicher Superintendent gewählt werden kann. Damit können sich auch Kandidatinnen und Kandidaten bewerben, die von außerhalb des Kirchenkreises oder der Landeskirche kommen. Bis jetzt wird ein Superintendent in seiner Pfarrstelle z.B. in einer Gemeinde bis zu 100% vertreten durch eine andere dafür eingesetzte Pfarrperson. In Zukunft verlässt er auch dienstrechtlich seine Pfarrstelle, um ohne weitere Bindung an eine Gemeinde Superintendent für den ganzen Kirchenkreis sein zu können.

Zukunft ohne Menschenfeindlichkeit: Die Synode machte sich eine Erklärung der Langenfelder Pfarrerinnen und Pfarrer zu eigen, in der der Grundsatz der Gleichwertigkeit aller Menschen betont wird. Gegen Bevormundung, Extremismus und Spaltung der Gesellschaft tritt die Synode ein für Dialog, Achtung und Solidarität. Die Synodalen bekennen "die Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Menschen als Geschöpfe Gottes". Konkret wollen sie den interreligiösen Dialog, die Aufnahme von Fremden und Menschen mit Fluchterfahrung, die Trauung von Ehepaaren gleichen oder unterschiedlichen Geschlechts. Damit sind aktuelle gesellschaftliche Debatten angesprochen, in denen sich die evangelische Kirche positioniert: "Unsere Tradition ist das freiheitliche und selbstverantwortete Christentum."

 

Menschenfeindlichkeit – nicht mit uns!

 

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.

(1. Mose / Genesis 1,27)

Unser Glaube lässt uns Menschen so sehen,

wie sie von Gott gemeint sind: durch Christus geliebt und angenommen.

Menschen sollen füreinander da sein und sich nicht als Feinde sehen.

Mit diesem Grundsatz bekennen wir die Gleichheit und Gleichwertigkeit

aller Menschen als Geschöpfe Gottes und ihre Gottesebenbildlichkeit.

Ethnische, soziale, religiöse und geschlechtliche Grenzen

werden nicht verwischt, sondern in ihrer jeweiligen Eigenart geachtet.

Daraus folgt:

Unsere Tradition ist das freiheitliche und selbstverantwortliche Christentum.

Wir lehnen jegliche Form der Bevormundung Andersdenkender ab.

Wir nehmen Teil am interreligiösen Dialog unserer Städte.

Wir verteidigen die religiöse Freiheit, wo immer sie angegriffen wird.

Wir äußern uns öffentlich gegen Extremismus und Radikalismus.

Wir wollen Menschen miteinander verbinden, nicht spalten.

Dafür treten wir mutig und nachhaltig ein.

Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, nehmen wir offen an.

Geflüchtete sind nicht schuld an ihrer Lage.

Wir glauben, dass Liebe von Gott gewollt wird.

Das schließt alle ein, die hetero-, bi- oder transsexuell, lesbisch oder schwul

lieben und leben.

Darum bieten wir selbstverständlich nach der Ordnung unserer Kirche

Trauungen von Ehepaaren unterschiedlichen oder gleichen Geschlechts an.

Wir lernen aus unserer deutschen Geschichte,

dass Nationalegoismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus

und Rassenvorstellungen falsch sind.

Wir fühlen uns verpflichtet, diese christliche Überzeugung

in der Gesellschaft mit Worten und Taten zu vertreten..

Wir leben in einer Zeit, in der es weniger Christinnen und Christen in Deutschland gibt. Das sollte uns nicht schrecken.

Wir glauben, dass jeder Mensch auf etwas vertraut.

Darum suchen wir den Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen.

Wir sind begrenzt und brauchen unsere gegenseitige Ermutigung.

Wir vertrauen auf Gottes Hilfe.

Gert-René Loerken (r.) und Bernd-Ekkehart Scholten
Bürgermeister Gerd Wölwer
Prediger im Synodalgottesdienst: Pfarrer Hansgerd Mertzen
Stadtdechant Heinz-Peter Teller
Kircherat Markus Schaefer