12.11.2019

Kirche und die extreme Rechte
Studienleiter Lohmann (Berlin) sprach in Langenfeld über die AfD
Die evangelische Kirche ist vom Zeitgeist gesteuert - diesen Vorwurf kennt Pfarrer Heinz-Joachim Lohmann. Der Studienleiter der Evangelischen Akademie zu Berlin setzt sich laufend mit der extremen Rechten auseinander. Bei einem Vortrag in Langenfeld zitierte er Stellungnahmen der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD), die der evangelischen Kirche vorwerfen, das christliche Abendland zu gefährden.


Heinz Joachim Lohmann

Auf Einladung von Superintendent Gert-René Loerken analysierte Lohmann das Erstarken rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien. Sie gehen thematische Bündnisse ein mit evangelikalen Gemeinden, demonstrieren Seite an Seite mit katholischen und Freikirchen gegen Abtreibung. In dem evangelikalen Wochenblatt "idea-Spektrum" kämen Anhänger der AfD ausführlich zu Wort. Ein einflussreicher Evangelist aus Chemnitz trage bei Pegida-Demonstrationen ein Kreuz mit Beleuchtung zur Schau.
Lohmann machte seit dem Mauerfall  Entwicklungen aus, die das Erstarken der AFD begünstigten: Der gewaltsame Rechtsextremismus und Angriffe auf Flüchtlingen in den 90er Jahren, etwa in Rostock-Lichtenhagen, die Einführung des Euro, das Misstrauen gegenüber Moslems nach dem 11.September 2001, die Finanzkrise, Erfolge von Büchern mit islamfeindlichem Inhalt von Thilo Sarazin, die Einwanderung von Flüchtlingen im Jahr 2015 und die Aussage der Bundeskanzlerin  "Wir schaffen das" und die zunehmende Hetze in den sozialen Medien.
Der AfD gelinge es, verloren gegangenes Vertrauen als Beweis für staatliches Systemversagen  anzuführen. Dies verfange insbesondere in Ostdeutschland, weil die Menschen das Systemversagen in der DDR bereits erlebt hätten.
Mit ihren Parolen schaffe es die AfD an teilweise gerechtfertigte Frustrationen anzudocken, etwa "Altparteien sind Verbrecher", "Verwaltungen sind inkompetent" oder auch, pauschal Menschen mit ausländischen Wurzeln als kriminell zu deklarieren. Die Antwort der AfD auf verschiedene Probleme lautet entsprechend: "Alles soll bleiben wie es ist, Arbeit und Sozialleistungen für Deutsche."
Die Bestrebungen richten sich gegen die westdeutsch geprägte Demokratie mit ihrem Pluralismus und ihrem Streben nach Minderheitenrechten.
Die Herausforderung für die Kirche liege darin, über die Verkündigung des Glaubens menschenfreundliche Haltungen zu transportieren.
Im Umgang mit menschenfeindlichen Haltungen müsse die Kirche Position beziehen.
"Es wird nicht funktionieren, sie zu ignorieren", so Lohmann. Außerdem begegneten solche Haltungen engagierten Christen durchaus auch in den eigenen Reihen. "Vielleicht nicht  im Kirchenvorstand, aber möglicherweise in Frauenkreisen oder im Schulunterricht", sagte Lohmann.
Deshalb sollte die Kirche das Gewicht, das sie in der Gesellschaft noch hat, nutzen. "Wir sollten deutlich machen, dass wir menschenfeindliche Positionen nicht dulden, das ist nicht Teil der Meinungsfreiheit. Deshalb dürfen wir uns nicht wegducken sondern es ist wichtig, dem öffentlich entgegenzutreten." Insbesondere Funktionsträger wie Bischöfe oder Minister sollten hier Stellung beziehen.  

Das Pfarrkollegium der Kirchengemeinde Langenfeld hat Stellung bezogen und eine Erklärung vorgelegt, die auch auf der nächsten Kreissynode am kommenden Freitag beraten wird.
Unter der Überschrift "Menschenfeindlichkeit – nicht mit uns!" bekennen die Autoren sich zur Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Menschen und Geschöpfe Gottes und ihrer Gottesebenbildlichkeit. "Wir verteidigen die religiöse Freiheit, wo immer sie angegriffen wird. Wir äußern uns öffentlich gegen Extremismus und Rechtsradikalismus. Wir wollen Menschen miteinander verbinden, nicht spalten."

Info:
Heinz-Joachim Lohmann bringt Erfahrungen der Auseinandersetzung mit der AfD in Thüringen ein. Der Pfarrer ist zugleich Beauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz für den Umgang mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.