29.06.2019

Sommersynode: Kirchenkreis Leverkusen macht sich fit die Zukunft
Umbruch und Aufbruch: Gemeindearbeit neu denken
Die 113. ordentliche Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Leverkusen tagte am 28./29.06.2019 in Leichlingen. Inhaltliche Schwerpunkte waren die Zukunft des Kirchenkreises, das Pfarrbild 2030 und das Seelsorgekonzep


Beratungen der Synode

Während heute im Kirchenkreis Leverkusen rechnerisch ein Pfarrer/eine Pfarrerin für rund 2500 Gemeindemitglieder da ist, wird sich die Zahl in rund zehn Jahren auf 4500 Gemeindemitglieder erhöhen.
Die Anzahl der Pfarrinnen und Pfarrer wird sich verringern, da auch hier viele in den Ruhestand eintreten werden. Nachwuchs zu finden ist allerdings schwierig. Nur wenige junge Menschen interessieren sich für ein Theologiestudium.

Landespfarrer Markus Schaefer (Düsseldorf) wies auf die „Stellschrauben“ hin, die die Kirche dennoch beeinflussen könne, um Mitglieder zu halten. Er nannte den Umgang mit Austritten, die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder taufen zu lassen, die Ansprache von jungen Menschen oder auch die Qualität der Amtshandlungen wie etwa Beerdigungen.
Die Kirchengemeinden werden also überlegen müssen, welche Schwerpunkte sie setzen wollen, wie die Aufgaben erledigt werden sollen und wie die Arbeitsteilung zwischen Geistlichen und Laien künftig aussehen soll.
Die Synode hat den Kreissynodalvorstand beauftragt, einen Prozess einzuleiten, um zu prüfen, wie den einschneidenden Veränderungen begegnet werden kann.

Unter großer Beteiligung von Presbytern, Synodalen und sachkundigen Personen soll die Aufgabenteilung zwischen Kirchenkreis und Gemeinden beraten werden. Beispielsweise könnte der Kirchenkreis die Gemeinden in Bereichen wie Finanzen, Personal- oder Gebäudeverwaltung stärker entlasten, damit die Presbyterien eine größere Handlungsfreiheit haben. Geprüft werden sollten auch Kooperationen, etwa in den Bereichen Kirchenmusik oder Jugendarbeit.
Was auf den ersten Blick einfach erscheine, sei in der Realität allerdings sperriger, weil die Kirchengemeinden eigenständige Körperschaften sind, erklärte Superintendent Gert-René Loerken. Er hob aber auch hervor, dass in den Kirchengemeinden und in der Diakonie nach wie vor richtig gute und engagierte Arbeit geleistet wird. "Es tut sich etwas: Wir setzen uns ein für benachteiligte Menschen. Wir sind auf der Seite von Kindern, Jugendlichen und Familien, damit sie einen besseren Start in die Zukunft bekommen. Unser besonderes Merkmal ist, dass wir eine dienende Kirche sind und bleiben, eine Gott und den Menschen dienende Kirche."

In seinem Referat verdeutlichte der emeritierte Theologieprofessor  Dr. Michael Klessmann (Berlin), wie sich die Rolle der Pfarrer verändert hat: Die Formel „Kirche = Pfarrer und Pfarrer = Kirche“ gelte so nicht mehr. "Die Zeiten der festen Rollen sind vorbei, Worte werden gehört, wenn sie gut sind."
Viele Menschen fühlten sich von der traditionellen Form von Kirche nicht mehr angesprochen.

Umso wichtiger sei es, neue Formate zu entdecken, Räume für Religion zu eröffnen und gabenorientiert zu agieren. Das bedeute, Abschied zu nehmen von der Fülle an Angeboten und auch die Trauer darüber zuzulassen.

Mit dem neuen Seelsorge-Konzept geht der Kirchenkreis bereits neue Wege. Hier werden Ehrenamtliche qualifiziert für die seelsorgliche Begleitung von Menschen im Altenheim, im Krankenhaus oder im Krisenfall. Ehrenamtliche und Pfarrer übernehmen den Dienst künftig gemeinsam. Pfarrerin Dr. Andrea Gorres, Leiterin des Seelsorgereferats, erklärt: "Nach unserer biblischen Tradition ist jeder Christ und jede Christin aufgerufen, Seelsorge zu leisten."
Der Kirchenkreis qualifiziert die Ehrenamtlichen dafür und schult die personale, geistliche, kommunikative und ethische Kompetenz.

 

Klimaneutrale Synode

Die Synode wurde auf Anregung des Ausschusses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung als sogenannte "klimaneutrale Synode" durchgeführt. Ziel ist, CO2-Emissionen zu vermeiden. Deshalb wurden die Synodalen gebeten, per Rad, Bus oder Bahn anzureisen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Die Emissionen, Wasser-, Gas- und Stromverbrauch der Tagung wurden erfasst und anschließend über die Klimakollekte ausgeglichen.

Tansania-Partnerschaft seit 35 Jahren

Superintendent Gert-René Loerken dankte allen, die seit 35 Jahren die Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Leverkusen und der tansanischen Karagwe-Diözese gestalten. Von einer bewegenden Delegationsreise berichteten die Pfarrerinnen Anne Becker und Bettina Noever, die mit Martina Weber, Dr. Arnd Weyers, Micha Weyers und Carsten Ehret  mehrere Wochen in Tansania waren. Die lutherische Gemeinde in der Nähe des Äquators hat andere Probleme als die Leverkusener Gemeinden: die Kirchengebäude sind zu klein, um alle aufzunehmen, die an den 3 bis 5-stündigen Gottesdiensten teilnehmen wollen. Mit Gesang, Gebeten und Prozessionen werden Neubauten in Dienst genommen. Die Kirche baut mit Hilfe aus Leverkusen auch Brunnen, unterhält eine Schule und vergibt Mikrokredite an Frauengruppen, die Seife, Popcorn, Körbe oder auch Bauelemente herstellen und verkaufen. Anne Becker gab wieder, wie die Mitchristen in Tansania ihren Erfolg sehen: "So weit sind wir gekommen durch den Glauben und durch Gottes Gnade."

 

Ankommen und Abschied

 

Neu im Kirchenkreis ist Jessica Wilhelmi. Seit dem 01.02.2019 ist sie als neue Schulreferentin tätig. Die gebürtige Koblenzerin hat nach ihrem Studium mit dem Schwerpunkt Evangelische Religionslehre 19 Jahre lang als Grundschullehrerin gearbeitet.

Neu im Kirchenkreis ist Pfarrerin Anne Förster. Sie unterrichtet Evangelische Religion am CURRENTA-Berufskolleg in Leverkusen.

Die Synode verabschiedete Christel Dangendorf in den Ruhestand. "Warum gehen Sie so früh?" wurde die Berufsschulpfarrerin von Schülern gefragt. Dabei gab sie seit 34 Jahren Religionsunterricht, seit neun Jahren im Leverkusener Geschwister-Scholl-Berufskolleg. Die Arbeit mit jungen Menschen habe ihr immer viel Freude gemacht und ihr selbst neue Impulse gegeben. Sie hat Techniker und Hauswirtschaftlerinnen, Sozialpädagoginnen und Heilerziehungspfleger in Ethik, Religion und Religionspädagogik unterrichtet: "Das war genau das, was ich machen wollte."

Den Kirchenkreis verlässt auch Gemeindepfarrerin Dagmar Jetter (Opladen). Sie hat als Mitglied der Synode auch den Kirchenkreis mit geleitet, sich als Synodalbeauftragte für Konfirmandenarbeit, Asyl- Umsiedler und Flüchtlingsanliegen stark gemacht, im Ausschuss für Gottesdienst und Kirchenmusik sowie im Freundeskreis Tansania mitgearbeitet. Im Herbst tritt Dagmar Jetter eine Pfarrstelle in der badischen Kirche an.

 

Kreissynode

Die Synode ist das Leitungsgremium des Kirchenkreises Leverkusen, zu dem rund 70.000 evangelische Christen in Leverkusen, Langenfeld, Monheim, Burscheid und Leichlingen gehören. Die 12 evangelischen Kirchengemeinden entsenden rund 100 Pfarrerinnen und Pfarrer, Presbyterinnen und Presbyter in die Synode. Sie wird geleitet von Superintendent Gert-René Loerken.

Der Kreissynodalvorstand
Prof. em. Michael Klessmann
Berufsschulpfarrerin Anne Förster
Kleingruppenarbeit
Pfarrerin Dagmar Jetter
Klessmann, Käseberg, Loerken