04.02.2019

Was wirklich trägt
Rat der Religionen spricht beim Bestatter über Sterben und Tod
Einen spannenden Gesprächsabend gab es mit dem Rat der Religionen Leverkusen. Die rund 40 Besucherinnen und Besucher hörten im Opladener Bestattungshaus Hild, was Christen, Muslime und Buddhisten über Tod und Sterben sagten.


Rat der Religionen im Bestattungshaus Hild

Superintendent Gert-René Loerken erklärte, dass im christlichen Glauben die Würde des Menschen besonders betont werde. Frühes Sterben mache Hinterbliebene oft sprachlos. Als erfahrener Pfarrer mit jahrzehntelanger Begräbnispraxis lehne er hohle Floskeln am Grab ab. "Ich hole mir die Worte aus dem Glauben." Weil sich beim Abschied eines geliebten Menschen Traurigkeit und Dankbarkeit mischen, habe er oft auch mit Trauernden über schöne Erinnerungen lachen können. Insgesamt verbinde die Begleitung Trauernder Menschen miteinander und mit Gott: "Wir kommen auf das, was uns wirklich trägt."

Spiegel der Gesellschaft
Stadtdechant Heinz-Peter Teller berichtete von Beerdigungen, bei denen zerstrittene Angehörige aufeinander einprügelten. Die Art von Begräbnissen sei ein Spiegel der Gesellschaft. Kein Mensch lebe anonym, selbst bei den Trauerfeiern für die "Unbedachten" von Ordnungsamtsbestattungen sammeln sich Freunde und Nachbarn. Früher sei die Feuerbestattung eine demonstrative Leugnung des christlichen Auferstehungsglaubens gewesen. Heute wird diese Bestattungsart eher aus praktischen Erwägungen gewählt.

Für die Neuapostolische Kirche gab der ehrenamtliche Priester Rigo Michael Budel dem Glauben an ein Wiedersehen nach dem Tode Ausdruck. Er ging von der Unsterblichkeit der Seele aus, und sein Mitbruder, der neuapostolische Gemeindeleiter Daniel Hucke erklärte, dass es auch es auch für Verstorbene die Wassertaufe, die Versiegelung mit dem Heiligen Geist und das Abendmahl gebe.

Bestattung ist Pflicht der Gemeinschaft
Moslems hilft ihr Glaube, die Erfahrung von Sterben und Tod zu bewältigen. Imam Muhamed Mermari aus Rheindorf glaubt, dass im Tod die Seele zu Gott kommt. Allerdings gibt es auch ein jenseitiges Gericht nach den guten oder schlechten Taten eines Menschen. Ismalj Memishi, der wie Mermari den Rat der islamischen Gemeinschaften vertritt, erklärte, dass es die Pflicht der Gemeinschaft sei, ihre Toten zu beerdigen, wenn es keine Angehörigen gibt. Inzwischen nutzen Muslime islamische Begräbnisplätze in Deutschland. Ebenso werden Leichname in Herkunftsländer geflogen, um dort nach islamischem Ritus bestattet zu werden. Traditionell besuchen und stärken sich trauernde Familienangehörige und Freunde und sprechen Pflichtgebete.

"Im Leben der Tod und im Tod das Leben"
Ganz anders glauben Buddhisten, dass es erst dann paradiesisch ist, wenn Menschen nicht länger wiedergeboren werden. Ohne zu wissen, wohin, gehen Menschen aus dem Leben und sterben. "Im Leben ist der Tod und im Tod das Leben" zitierte  Marion GenRai Lukas von der buddhistischen Gemeinschaft Zaltho Sangha eine Belehrung, über die die Gläubigen nachzudenken gehalten sind. Ob Mensch oder Tier - eine würdige Bestattung ist im Buddhismus wichtig. Trauergefühle und Tränen haben ihren Raum, und noch 49 Tage nach dem Tod verbringen Buddhisten einen Tag so, als wäre der Verstorbene noch da, decken für ihn den Tisch und stellen Bilder auf.

Das Besondere an dieser Ringveranstaltung war, dass die reine Lehre der verschiedenen Religionen dargestellt wurde, es aber ebenso um Gefühle ging, um Trauer und Schmerz. Viele Beiträge vom Podium und vom Publikum hatten mit eigenen Trauererfahrungen, mit Krankheit und Todesnähe zu tun. Es flossen Tränen und die Stimmen stockten. Der Abend rührte ans Existenzielle. Heinz-Peter Teller: "Sterben und Tod sind Geheimnisse." An ein Leben nach dem Tod zu glauben sei aber keine defizitäre Form von Wissen, sondern das Vertrauen, "dass mein Leben getragen ist". So gelang es einmal mehr, interreligiös Kenntnisse auszutauschen, aber zugleich einander einen kostbaren Einblick in den persönlichen Glauben zu geben.

Pulsschlag der Religionen
Als die 90 Minuten vergangen waren, hätten viele angesprochene Themen eine weitere Vertiefung verdient: Todessehnsüchte und Suizid, der Kontakt zu Verstorbenen und Botschaften aus dem Jenseits, Begegnung mit Leichen und häusliche Trauerkultur, Gefühle von Wut und der Wunsch, bestimmte Leute im Jenseits nicht wiederzusehen, jüngstes Gericht, eingefrorene Leichen und Hoffnung auf späteres Leben, Patientenverfügung und der Wunsch nach Sterben in Würde, Bestattungskosten und anonyme Beisetzungen. Die Veranstaltung zeigte: das Thema Tod und Sterben ist ein Lebensthema, und dabei schlägt das Herz jeder Religion.

Nächstes Thema: Gerechtigkeit
Der Rat der Religionen Leverkusen setzt seine Ringveranstaltung fort mit dem Thema "Recht und Gerechtigkeit" am Dienstag, 14.5.2019, 19.00-21.00 Uhr im Kolpinghaus Leverkusen-Opladen, An St.Remigius 5.

Stadtdechant Teller (rechts) spricht über Sterben und Tod
Die Siegermannschaft aus Schlebusch
Die Siegermannschaft aus Schlebusch
Pfarrerin Petra Steffen bei der Siegerehrung