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Umbau der denkmalgeschützten Johanneskirche in eine Kita

Künftig wird eine fünfgruppige Tageseinrichtung für Kinder 80 bis 90 Kinder und bis zu 20 Mitarbeitende die alte Johanneskirche wieder mit Leben erfüllen.

Damit löst der Kirchenkreis Leverkusen sein Versprechen ein, das er mit der Entwidmung gegeben hat: „Wir werden als Evangelische Kirche in Manfort sichtbar bleiben.“
Darüber hinaus wird die Johanneskirche auch hörbar bleiben. Denn die Glocken wurden nicht entwidmet und werden demnächst wieder erklingen.
Bei der Feier zur Fertigstellung des Umbaus verwies Superintendent Bernd-Ekkehart Scholten darauf, dass hier der Transformationsprozess deutliche Konturen zeige. Wenn der Abschied von der Johanneskirche auch für viele die Aufgabe von Vertrautem bedeutet habe, so sei Kirche kein Selbstzweck, sondern für Menschen da. Und als Kita sei sie auch ein Zentrum der Hoffnung und des Lebens. 
Das „beeindruckende Ergebnis“ wurde den Gästen vorgestellt. Am nächsten Wochenende haben am „Tag der Architektur“ alle Interessierten die Möglichkeit, den Umbau zu erkunden. (Weitere Infos: www.aknw.de) Und nach den Sommerferien wird es eine richtige Eröffnungsfeier der Kita mit Kindern und Eltern geben.

Entwicklung und Bau

Zum 01.01.2018 wurde der Kirchenkreis Leverkusen im Zuge der Auflösung der Evangelischen Kirchengemeinde Manfort Eigentümer der Johanneskirche und erhielt den Auftrag, für die Kirche eine andere Lösung zu finden und die erheblichen jährlichen Unterhaltskosten zu reduzieren.
Im Jahr 2019 entstand die Idee des Umbaus in eine Kindertageseinrichtung. Das Architekturbüro Pink (heute zweipink Partnerschaft mbH) erstellte eine Machbarkeitsstudie in enger Abstimmung sowohl mit der unteren als auch der oberen Denkmalschutzbehörde, einbezogen war auch das Bartning-Archiv an der TU-Darmstadt

Am ersten Advent 2020 wurde die Johanneskirche als Gottesdienststätte entwidmet.

Der Beginn der Bauarbeiten fiel in die letzten Phase der Pandemie und den Beginn des Ukraine-Krieges. Dies hatte erhebliche Auswirkungen auf die Beschaffung des notwendigen Baumaterials. Sowohl Holz als auch Stahl waren kaum erhältlich und wenn, nur mit deutlichen Preisaufschlägen.

Für den Bau wurden ökologische Aspekte zum Maßstab genommen. Alle eingesetzten Baumaterialien entsprechenden dem „Goldstandard“ der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.
Die Wärmeversorgung erfolgt über Erdwärme. Hierzu wurden fünf Erdwärmesonden in bis zu 140 Meter tiefen Bohrungen verlegt. Regenwasser wird in einer Zisterne gesammelt und als Brauchwasser (Bewässerung Außenanlage, Toilettenspülung) weiter verwendet.

Die gesamte Technik, die für den Betrieb der Kita erforderlich sind, wurde unter dem Kirchenschiff verbaut. Der vorhandene Kriechkeller musste hierfür von Hand tiefer ausgeschachtet werden. Dazu wurden am Ende 337 Tonnen Sand per Schubkarre abtransportiert. Anschließend musste zunächst der Beton der Geschossdecke saniert und schließlich mit Wärmedämmung ertüchtigt werden.

Da eine Dämmung von Wänden und Decke weder innen noch außen unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes in Frage kam, war die Reduzierung des Wärmeverbrauchs eine große Herausforderung. Die Lösung wurde in einer luftgestützten, transparenten Foliendecke gefunden. Je nach Lichtsteuerung ist dabei das Holzdach über dem Kirchenschiff weiterhin sichtbar. Auch in den neuen Anbauten, mit denen die von Otto Bartning erstmals verwendeten Seitenschiffe zusätzlich erweitert wurden, sind die Holzbalken des ursprünglichen Dachs sichtbar erhalten geblieben.

Eine weitere Herausforderung war die Herstellung der Barrierefreiheit. Die Kirche war bislang sowohl von der Scharnhorststraße als auch von der Bodelschwinghstraße aus nur über Treppen zu erreichen. Künftig wird ein Aufzug von der Straßenebene der Scharnhorststraße neben dem Treppenaufgang die barrierefreie Erschließung der beiden Ebenen in der Kirche (UG und EG) ermöglichen.

Innerhalb der Kirche sorgt ein System von Rampen dafür, dass auch die bisher nur über Stufen erreichbare Apsis für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung ohne Hilfe erreichbar ist. Auch akustisch wurde beim Innenausbau die Sprachverständlichkeit im Raum berücksichtigt und ist für Menschen mit Hörbehinderung barrierefrei.

Michael Posthaus, Verwaltungsleiter des Kirchenkreises Leverkusen hat das Gesamtprojekt verantwortet. Nach insgesamt 103 Planungssitzungen freut er sich jetzt über das neue Bauwerk: „Hier ist Raum entstanden für Menschen, die ihn nötig haben.“

Den Ball nahm Oberbürgermeister Uwe Richrath auf. In Leverkusen müssten dringend Kita-Plätze geschaffen werden. Er lobte die evangelische Kirche dafür, in dieser Weise Verantwortung zu übernehmen.

„Wir schaffen für die Kinder eine zweite Heimat neben ihren Familien und eröffnen so Startchancen“ bestätigte Dr. Thomas Hübner, Vorsitzender des evangelischen Kita-Verbands, der in Leverkusen Träger von derzeit insgesamt neun Kitas ist.

 

Zum Anhören: ein Beitrag über die Johanneskirche in der Sendung „Westblick“ auf WDR vom 26.06.2024: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-westblick-aktuell/audio-tage-der-architektur--einfach-umbauen-100.html