"Ehrenamtliche sind keine Lückenfüller, sondern waren und sind das Rückgrat von Kirche und Gesellschaft“, sagte Superintendent Bernd-Ekkehart Scholten beim Pfingstempfang des Kirchenkreises Leverkusen in der Christuskirche in Wiesdorf. „Demokratie lebt von Menschen, die mitmachen. Und: Ehrenamt in der Kirche ist die Regel, nicht die Ausnahme.“
Rund 2.500 Menschen bringen sich mit ihren Gaben und ihrer Zeit in den Kirchengemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises Leverkusen ein. Auch wenn sich Struktur und Motivation zum Ehrenamt wandeln – die Bedeutung des Engagements aus der Vielfalt der Menschen nimmt zu.
Beim christlichen Pfingstfest geht es um das, was in dieser Zeit besonders von Bedeutung ist: befreiende Lebenskraft, Verständnis füreinander und Begeisterung von Gott her.
Der Pfingstempfang bot ein Forum für den Austausch von Kooperationspartnern*innen aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik der kommunalen Ebene aus Burscheid, Langenfeld, Leichlingen, Leverkusen und Monheim – also aus der gesamten Region des Kirchenkreises Leverkusen. Eingeladen sind zudem Vertreter*innen der Kirchengemeinden.
Kirchenrat Dr. Volker A. Lehnert zeichnete in seinem Impuls zum Thema „Ehrenamt“ das Bild von einem Körper in dem jedes Organ und alle Glieder mit einander und füreinander leben. „Daraus entstand auch das Wort Körperschaft und dies Vorstellung war prägend für die neuzeitliche Demokratie.“
Das Ehrenamt bringe individuelle Fähigkeiten zum Wohle des Ganzen ein. Erkennbar sei das am breitgefächerten Einsatz, etwa in den Presbyterien als Leitung der Kirchengemeinden, mit den Prädikanten, die Gottesdienste abhalten oder auch bei der Jugendarbeit: die vielen Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche wären ohne ehrenamtliche Teamer nicht realisierbar.
Dabei gab Lehnert den Gästen eins mit auf den Weg: Es gehe nicht darum, zu schauen wofür jemand benötigt werde, sondern zu erkennen, was der Mensch einbringen kann. „Diesen unglaublichen Schatz gilt es zu heben, ihn schenkt Gott der Kirche.“
Das habe auch der ehemalige Fußballtrainer Otto Rehagel bei der Aufstellung der griechischen Fußballnationalmannschaft erkannt. Bevor er kam, habe jeder gemacht, was er wollte. Er habe aber dafür gesorgt, dass jeder macht was er kann.
Im Anschluss wurden Einsatzgebiete von Ehrenamtlichen präsentiert, etwa in der Seelsorge in Kliniken, in Altenheimen oder in der Notfallseelsorge. Seelsorgereferentin Dr. Andrea Gorres bietet hier seit sieben Jahr eine fundierte Ausbildung an.
In der Verkündigung hat der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises, Pfarrer i. R. Gert-René Loerken einen Kursus für die Lektor*innen-Ausbildung entwickelt. Mittlerweile fanden zwei Durchgänge statt, in denen sich Interessierte in einem breiten Spektrum von Theologie, Liturgie, Spiritualität und auch Sprecherziehung fortbilden können. „Ich bin immer wieder fasziniert von der Begabung und den Talenten, die in Menschen schlummern“, sagte Loerken.
Marion Petry, Geschäftsführerin des Betreuungsvereins, stellte die Arbeit ehrenamtlicher Betreuer*innen vor. Dabei liegt der Schwerpunkt in der Begleitung und Schulung der rund 100 Ehrenamtlichen durch den Betreuungsverein darin, die Selbstbestimmung der betreuten Menschen zu stärken und die Ehrenamtlichen fit zu machen für den Umgang mit Gesetzen und Behörden.
Eine besonders innovativen Weg hat die Kirchengemeinde Opladen eingeschlagen: mit der Ehrenamtsbeauftragten Anika Stoller gibt es hier nicht nur eine zentrale Ansprechpartnerin, sondern vor allem ein Konzept, nach dem Ehrenamtliche systematisch dabei begleitet werden, ihren eigenen Weg zu finden. Außerdem sieht ein Ehrenamtshandbuch klare Regelungen zur Begrüßung, zum Onboarding, Potenzialentwicklung oder auch Netzwerkarbeit vor.
