Liebe Gemeinde

Der verlesene Predigtabschnitt lag der Predigt zugrunde, die Pfarrer Karl-Heinz Lämmerhirdt aus Alkenrath, zur Eröffnung der ersten außerordentlichen Synode gehalten hat .Diesen Versen ist die Jahreslosung für 2012 entnommen.?: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig ?:Wir wollen darum auf die Jahreslosung im Zusammenhang der Verse 1-10 hören.  

? Mär luge jetzt zurück, was woren das für Zick ? So ermutigte  im guten  Rheinisch ein ehemaliger Bonner Karnevalsprinz auf dem Rathausbalkon seine anwesenden ehemaligen Prinzenkollegen 

Ein klein wenig zurückschauen, wie es 1962 aus sah, als der Kirchenkreis nach der ersten  1955 belegten Teilungsdiskussion ,dem offiziellen Teilungsbeschluß  vom 9. Nov. 1959 schließlich  zum 1. 1. 1962 gegründet wurde , möchte ich mit Ihnen zu Beginn  der Predigt

Beginnen wir mit einem Verein, er heute Nachmittag in Aktion tritt, Bayer Leverkusen. Sein Torhüter hieß  Manfred Manglitz (1940) ,als  Poldi von damals kämpfte Uwe Klimachewski(1938) , als Trainer wirkte Erich Garske (Jg.1911) Ich nenne diese Namen , weil ihre Geburtsjahrgänge und die regionale Herkunft ihrer Namen auch die Zusammensetzung der  Presbyterien und der Pfarrerschaft im Kirchenkreis  kennzeichneten.  Die im  2. Weltkrieg  oder vor dem Krieg geborenen Pfarrer kamen in die Gemeinden. Verantwortung trugen in den Presbyterien  und im Kreissynodalvorstand  vor allem Männer und Frauen, die ihre Kindheit  vor oder im 1Weltkrieg erlebt hatten. Sie waren von der Auseinandersetzung zwischen der Bekennenden Kirche und den Deutschen Christen geprägt. Da gab es Spannungen, die in einer ?Räubersynode  1971? .ihren Höhepunkt hatten.

1962 wurde in Opladen ein Frauenchor, ebenso ein Verein für Behindertensport ins Leben gerufen.   Im Rhein -Wupper-Kreis wirkte der Sozialdemokrat Wilhelm Helf als Landrat. , Der Rheinisch -Bergische Kreis gab s schon schöne Heimatkalender heraus.

Politisch lebte Deutschland unter dem Schock des Mauerbaus in Berlin am 13. August 1961. Die Kubakrise im Herbst 1962 hielt die Welt in Atem  ?Die Spiegelkrise ?spaltete die Bevölkerung der Bundesrepublik.

Anfang Februar   1962 verloren 299e Bergleute beim   Unglück  in der Grube Luisenthal  im Saarland ihr Leben. Die Sturmflut in Hamburg am 16/17  Februar raubte 315 Menschen das Leben. Diese beiden n Ereignisse, führten  uns die Ohnmacht vor Katastrophen vor Augen

Nun einige Zahlen: 

Die Zahl der Gemeindeglieder war nach dem Krieg von 2,2 Millionen auf 4 Millionen Gemeindeglieder  im hin

Später waren es 46, gegenwärtig gibt sind es 38. Kirchenkreise in der Evangelischen Kirche im Rheinland Gebiet der rheinischen Landeskirche angewachsen.  Nach den 38 Kirchenkreisen 1945 hatten sich mittlerweile 41 gebildet, darauf wies Präses Prof. Dr. Beckmann in seinem Bericht vor der rheinischen Landessynode 1963. Der Zahlenspiegel gibt für die Landeskirche 2,7 Millionen Gemeindeglieder für 2011 an

Zwischen 1966 -1976 ,in der Zeit als Superintendent Heinrich Glücks, der Nachfolger des ersten Superintendenten Johannes Schmitz   Superintendent war,

 stieg die Gemeindegliederzahl von 107 576 auf über 130000. Von 1980 an begann die Gemeindegliederzahl  bei  ca. 1200 000 stetig  abzunehmen.

Es ist von den Zahlen her keine ermutigende Bilanz. Nach diesen Zahlen wären wir ein Abbruchunternehmen. Aber das ist nur die eine Sicht.

?Gerühmt muss werden, wenn es auch nichts nützt.? ,beginnt der Apostel Paulus das Kapitel 12 des Tränenbriefes , den die Gelehrten in den Kapitel 10-13 annehmen .Im Unterschied zu uns heute ging es dem Apostel Paulus nicht um Wachsen und Abnehmen der Gemeindegliederzahlen

Der Gemeinde in Korinth schrieb der Apostel den zweiten Korintherbrief um 56/57 aus  Mazedonien, also nach über  zwanzig Jahre nach dem Tode des Wanderpredigers Jesus von Nazareth. Diese Zeitspanne entspricht etwa der der  friedlichen Revolution im Herbst 1989 in der DDR zu uns heute.

Den Apostel beschäftigte, wie Gemeindeglieder in Korinth durch das Auftreten von sogenannten ? Über-Aposteln? seine Autorität und Legitimation als Apostel infrage stellten

?Ja, Deine Briefen sind  gut: Aber Dein Auftreten fällt hinter Deinen Briefen zurück. so beurteilten einige Gemeindeglieder den Apostel Paulus.( 2.Kor.10,10),  Entscheidend war für das Ansehen eines Redners die Art und Weise seines Auftretens. Da konnte der Apostel Paulus nicht glänzen. Im Männerforum konnte er nicht punkten. Da fiel er ab und damit schien auch seine Botschaft an Marktwert zu verlieren

 Der Apostel Paulus  weiß, dass er sich den an ihn gestellten Anforderungen und Erwartungen  nicht einfach entziehen kann, Darum dieser eigenwillige Einstieg:? Gerühmt muss werden, aber es nützt nichts.? Denn  der Apostel steht nicht mit leeren Händen da. Auch er hat besondere geistliche Erfahrungen und Erlebnisse aufzuweisen. Er deutet sie an, indem er von jemandem in der dritten Person spricht .Wir erkennen, es geht um ihn selbst, um ein Erlebnis, eine Offenbarung, die ihm zu teil  geworden ist  Damit er diese geistliche Erhöhung-, Paulus datiert sie um, 42 ? nicht für seine Person öffentlichkeitswirksam nutzt, bekennt er , ?ist mir ein Pfahl ins Fleisch gegeben Gott ließ meinen Körper mit einem Stachel durchbohren. Ein Engel des Satans darf mich mit Fäusten schlagen ?. Paulus spricht für uns heute nur in Andeutungen. Wahrscheinlich konnten die Gemeindeglieder in Korinth  mehr  den rätselhaften Worten entnehmen als wir heute .Es handelt sich bei Paulus um ein körperliches Geschehen, vielleicht einen plötzlich ihn überfallenden Schmerz., der ihn in seinen Aktivitäten beeinträchtigt und lähmt. Von diesem Handicap wollte er befreit werden: ?  Dreimal  habe ich zum Herrn gefleht. Aber der Herr hat mir geantwortet :

?Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung.? Die Übersetzung:?Lass Dir an meiner Gnade genügen? verschiebt ein wenig die Handlungsebene. Die Gnade ist das Subjekt des Geschehens, sie erfüllt uns. , Sprachbilder aus dem Glauben Israels bilden den Hintergrund dieser Antwort. Der Satz aus dem Leitbild des Kirchenkreises:? Wir sind uns unserer Wurzeln im jüdischen Glauben bewusst?, bewahrheitet sich an dem Wort des erhöhten Herrn.

?Er gibt den Müden Kraft und Stärke den Unvermögenden? oder:? Es sollen wohl Berge und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen ?Diese Verheißungen finden sich im zweiten Jesajabuch. Die Zusage, dass Gott sein Volk hindurch trägt, erlebt Israel in der täglichen Speisung des Manna bei der Wüstenwanderung. Jeder hat gesammelt, so viel er zum Essen brauchte. Wenn jemand hortete, erlebte er, wie die Speise schlecht wurde (2.Mose 16

 Gnade, die Zuwendung Gottes, wird als Wort des jüdischen Glaubens mit  dem Wunderhandeln Jesu verbunden. Bei der Heilung der blutflüssigen Frau spürt Jesus nach dem Markusevangelium ( 5,30.) . dass Kraft von ihm ausgegangen war. Das griechische   Wort dynamis in diesem Heilungsbericht findet sich auch in der Antwort des erhöhten Herrn: ?.Meine Gnade reicht als Kraft, als Dynamik aus. Sie genügt Sie  kommt in der Schwachheit zur Vollendung

Das griechische .Wort  für vollendet, findet sich auch in dem letzten Wort Jesu  am Kreuz nach dem Johannesevangelium.? Es ist vollbracht? (19,30). Hier deutet sich die Identität und Kontinuität zwischen dem auf Erden wirkenden und leidenden Jesus und dem erhöhten Herrn an .Auf ihn werden die Glaubensaussagen von Gott übertragen.

Ich kann  Sie nur ermuntern, sich mit den Aussagen in  2.Korinther 12,1-10, die  so etwas wie eine Gründungsurkunde des Kirchenkreises darstellen, zu befassen.

Überhaupt ?so scheint es mir -, haben wir zur Theologie des Apostel Paulus  vor allem durch den zweiten Korintherbrief gegenwärtig einen  direkteren Zugang als über den Römerbrief

Selbstdarstellung, von der schon Pfr. Lämmerhirdt in seiner Predigt spricht,, das Leben mit Konkurrenz , die Notwendigkeit der Öffentlichkeitsarbeit ,in Printmedien, in Flyern  und im Internet , sie müssen sein,  ?.Rühmen muss sein  , aber es nützt nichts,? schärft der  der Apostel der Gemeinde ein.?

Wie gehen wir mit Konkurrenz um als Haupt-und Ehrenamtliche, als die, die zu predigen haben? Können wir die Gaben der Anderen anerkennen? Können wir, wie es die Rheinländer ausdrücken ?man muss auch jönne könne?, uns an den Stärken der Anderen freuen?

 Wie reden wir übereinander und von uns? Welches Bild von Kirche in der Öffentlichkeit gestalten wir bewusst oder unbewusst mit?

Viele Problemstellungen ähneln  sich  in der Gemeinde von  Korinth  und den Gemeinden heute.

 ? Ich habe zum Herrn gefleht ? bekennt der Apostel in der Anlehnung an die Klagepsalmen : Wie steht es mit dem Gebet  in unsrem persönlichen Leben , in der Familie, dem Tischgebet , bei unseren Zusammenkünften und Sitzungen ?, können  wir uns  über  erhörte  und ?unerhörte ? Gebete ,den Antworten, die so anders als erbeten ausfallen wie beim Apostel Paulus, austauschen ?

Zum Schluss heißt es  ?:Darum bin ich guten Muts ?

 Ich wünsche es Ihnen und erbitte es für  Sie,

die Sie Verantwortung für die Zukunft des Kirchenkreises tragen und im besonderen für die , die Gottes Wort in unsere Zeit hinein zu sprechen haben, die in vielem so anders aussieht  mit ihren sich neu auftuenden Kommunikationsmöglichkeiten und den globalen politischen Dimensionen als 1962 , dass Sie  den Verheißungen des Wortes Gottes  vertrauen und sich nicht von den Zahlen entmutigen lassen Im Blick auf unsere Kirche und unser eigenes Leben gilt:

?Meine Gnade genügt dir. Sie kommt als Kraft in der Schwachheit, zu ihrem Ziel.? Amen

Amen