11.06.2018

Ehrenamtliche und Hauptamtliche in der Seelsorge
Auf den Mix kommt es an
Die Synode des Kirchenkreises befasste sich mit dem Schwerpunktthema Seelsorgen, außerdem standen Synodalbeauftragungen und die Sorge um den Klimaschutz auf der Tagesordnung.


Beratungen bei der Synode

Die 111. Synode des Evangelischen Kirchenkreises trat (am 08./09.06.2018) in Schlebusch zusammen. Im Gottesdienst in der Kirche am Blauen Berg rief Schulpfarrer Oliver Flader die Synodalen dazu auf, in allen Lebenszusammenhängen das Wort Gottes konkret werden zu lassen. Gestärkte Gemeinschaften könnten dem Reden Taten der Liebe folgen lassen. Die Beratungen im Gemeindehaus an der Martin-Luther-Straße leitete Assessor Bernd-Ekkehart Scholten in Vertretung des Superintendenten Gert-René Loerken.

Ehrenamtliche und Hauptamtlich in der Seelsorge

Inhaltlicher Schwerpunkt der Synode war das Thema „Ehrenamtliche und Hauptamtliche in der Seelsorge“. In seinem Impulsvortrag plädierte Prof. Dr. Eberhard Hauschildt (Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn) für ein konstruktives Miteinander von verschiedenen Formen der haupt- und ehrenamtlichen Seelsorge.

„Es sind die Ehrenamtlichen, die ganz besonders in einer Kirche und einer Gesellschaft das produzieren, was die Soziologie als Sozialkapital bezeichnet. Das ist der Kitt, der die Menschen beieinander hält.“ Und das sei unbezahlbar.
Viele Menschen in der Kirche engagieren sich freiwillig und bringen Zeit und ihre unterschiedlichste Lebenserfahrung in die Seelsorge ein. So stehen Ehrenamtliche anderen in Not bei, bieten im vertrauensvollen Gespräch eine seelsorgliche Beziehung und können so den Glauben lebensnah und authentisch verkündigen - in Gemeinden, Krankenhäusern und Altenheimen oder in der Notfall- und Telefonseelsorge.
Und sie können die Pfarrer rein quantitativ entlasten, so Hauschildt: „Acht Ehrenamtliche mit je fünf Wochenstunden Engagement können zum Beispiel zeitlich mehr präsent sein in einem Altenheim als es ein Gemeindepfarrer sein kann, selbst wenn er sich um nichts anderes als das Altenheim kümmern würde.“

Auf den Mix kommt es an

Natürlich ist Seelsorge auch das „Kerngeschäft“ der hauptamtlichen Pfarrerinnen und Pfarrer. Sie sind als Theologen speziell ausgebildet, haben beispielsweise Fragen der Ökumene oder zum religiösen Verstehen im Blick. Mit ihrer Qualifikation sind sie in der Lage, professionelle Distanz zu üben – schließlich gehört es für sie zum Alltag, sich nach einem Trauergespräch auf ihre Konfirmandengruppe einzustellen.
Es gibt also in der Seelsorge diese beiden Gruppen von Ehrenamtlichkeit einerseits und Hauptamtlichkeit andererseits. Aber: „Die Frage, wer besser ist, führt in die Irre“, warnt Prof. Hauschildt. Auf die Ergänzung, den Mix komme es an. Und mit fachlichen, theologischen und psychologischen Fortbildungen könnten Ehrenamtliche qualifiziert werden, um möglichst nah an die Kompetenzen der Hauptamtlichen heranzukommen. Das sei die Aufgabe der Professionellen neben der fachlichen und emotionalen Begleitung.

Seelsorgepfarrerin Dr. Andrea Gorres hat deshalb auf der Ebene des Kirchenkreises eine Qualifizierungsreihe für die verschiedenen Seelsorgefelder gestartet. Ehrenamtliche können hier eine einjährige Ausbildung absolvieren.

Klimaneutrale Synode

Welche CO2-Emission hat eigentlich eine zweitägige Synode, zu der rund 100 Personen aus einem Gebiet von 200 Quadratkilometer zusammenkommen, beleuchtet, ernährt und mit Tagungsinformationen versorgt werden sollen? Der synodale Ausschuss für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung gab konkrete Anregungen, wie Energie und Rohstoffe gespart werden können. Dabei sollte die Synodaltagung ein konkretes Beispiel sein, das sich auf viele Veranstaltungen wie Presbyteriumssitzungen und Gemeindefeste übertragen lässt. Statt der Flut von Flyern, die sich normalerweise auf den langen Tischen der 100 Delegierten stapeln, gab es eine Stelle, an der Interessierte Faltblätter ansehen und mitnehmen konnten. So wurde viel Papier gespart. Die Verpflegung war vegetarisch, regional und saisonal (weißer Spargel und Erdbeeren). Kaffee und Tee stammten aus fairem Handel. Speisenreste wurden nicht weggeworfen, sondern verteilt. Bleibt die CO2-Emissionen aus dem Verkehrsaufkommen. Viele Synodale hatten Fahrgemeinschaften gebildet. Die Fuß-, Fahrrad-, Bus- und Privat-PKW-Kilometer werden ausgewertet und mit den weiteren Umweltbelastungen dieser Synode verrechnet. Am Ende wird durch Ausgleichszahlungen eine "Klima-Kollekte" entrichtet und klimarelevante Projekte weltweit gefördert. Einen Sonderapplaus gab es für die Vertreterin der Landeskirche Barbara Füten: Sie war von Düsseldorf klimafreundlich mit Bahn und Fahrrad angereist.

Themenvielfalt Synodalaufträge

Die Synode interessiert sich für eine Fülle kirchlicher und gesellschaftlicher Themen und hat aus ihren Reihen Pfarrerinnen, Pfarrer, Presbyterinnen und Presbyter als Spezialisten gefunden, die Gemeinden beraten können: Inklusion, Christlich-jüdische Gespräche, Kirchentag, Frauenhilfe, Gehörlose, Genderbeauftragung, Gustav-Adolf-Werk, Kindergartenarbeit, Kindergottesdienst, Kirchenmusik, Kirchlicher Unterricht, Mission und Ökumene, Notfallseelsorge, Ökumene und Catholika, Prädikantinnen und Prädikanten, Senioren, Sekten- und Weltanschauungsfragen, Tansania-Partnerschaft, Theologiestudierende. Dazu kommen Gremien, in denen weitere Fachgebiete verantwortet werden: Diakonie, Jugend, Bildung, Schule, Seelsorge, Verwaltung, Theologie, Öffentlichkeitsarbeit, Nominierungssausschuss und zukünftige Strukturen.

Datenschutz

Ein Raunen ging durch die Reihen, als Verwaltungsleiter Michael Posthaus das Wort "EU-Datenschutzverordnung" aussprach. Dabei, so Posthaus, gilt in der Kirche die Datenschutzverordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Im Kern geht es um dasselbe: Datensparsamkeit und Aufklärung. Jede und jeder soll um die Verwendung der eigenen Daten wissen.  Daten sind zu schützen und nach klaren Regeln zu löschen. "Das ist nichts Neues", erklärte Posthaus. Neu ist ein externer Datenschutzbeauftragter, der den Kirchenkreis nun bei dieser wichtigen Aufgabe unterstützt. Bei Verstößen gegen den Datenschutz handelt die kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit und kann empfindliche Bußgelder verhängen, die aber geringer ausfallen als die millionenschweren Forderungen der EU-Datenschutzrichtlinie.