25.11.2017

Mit dem Vermögen wächst die Verantwortung
Leverkusener Rat der Religionen spricht über Geld
In der Sparkasse fand die jüngste Veranstaltung des Rates der Religionen Leverkusen statt. Vertreter von Leverkusener Religionsgemeinschaften sprachen über das Geld. Moderator Ekkehard Rüger(Westdeutsche Zeitung) lotste die interreligiöse Runde sicher durch die heiklen Themen Mammon und Kirchensteuer, Almosengabe, Bettelmönchtum und Finanzkrise.


Rat der Religionen in der Sparkasse Leverkusen

Stadtdechant Heinz-Peter Teller betonte, dass die Kirche verantwortlich mit Geld umzugehen habe. Negativbeispiele wie teure Badewannen im Limburger Bischofssitz sollten nicht davon ablenken, dass die katholische Kirche mit der ihr anvertrauten Kirchensteuer viel Gutes tue, nicht zuletzt durch Hilfswerke in Notgebieten in Südamerika und Afrika.

Auch die Spenden, von denen die Neuapostolische Kirche lebt, seien wichtige Opfer, die die Gläubigen aus Dankbarkeit geben, sagte Priester Stefan Vis (Opladen). Den Mitgliedern sei wichtig, Geld sozialverträglich zu erwerben und mit Besitz sinnvoll umzugehen.

Zinsverbot im Islam
Muslime sind gewohnt, vor allem im Fastenmonat Ramadan Geld zu spenden, erklärte Ismalj Memishi vom Rat der islamischen Gemeinschaften. Wie alle islamischen Pflichten fördert auch das Almosengeben die Gemeinschaft der Gläubigen und bereitet auf das Leben nach dem Tod vor: "Wir nehmen keinen Cent mit", sagte Imam Muhamed Mermari. Arme werden unterstützt mit Geld, das auf vom Koran erlaubte Weise ("halal") verdient wurde. Zinsgeschäfte gehören nicht dazu. Islamische Banken machen andere Gewinne.

Die buddhistische Nonne Ramona RuZan Nolde (Gemeinschaft Zaltho Sangha e.V.) geht einem weltlichen Beruf nach und zahlt wie alle Miete und Busticket. Durch gemeinsame Meditationen und Beschäftigung mit der Lehre Buddhas beschäftigt sie die Frage, was wirklich notwendig zum Leben ist und wie groß ihre Bereitschaft zum Teilen ist. Sich von der "Anhaftung" des Besitzes zu befreien und selbstlos zu geben, sei ein wichtiges Ziel.

Verantwortung aus Glauben
Über den privaten Umgang mit Geld hinaus kritisierte Superintendent Gert-René Loerken den entfesselten Geldmarkt. Der evangelische Pfarrer warnte vor einem Zusammenbruch des Wirtschaftssystems, bei dem Reiche reicher und Arme ärmer werden. Mit dem Vermögen wachse die Verantwortung für ein gerechtes Wirtschaften, das nicht etwa Armut in Entwicklungsländern schafft. Geld gebe der Kirche die Möglichkeit, diakonisch zu handeln. "Wir leben aus dem Glauben heraus gesellschaftliche Verantwortung." Für Christen sei Geld ein Thema, allein schon, weil sich über 2000 Bibelstellen mit Geld und Besitz beschäftigen.

"Wenns um Geld geht", sei die Sparkasse Leverkusen auch für eine interreligiöse Diskussion ein guter Ort, sagte ihr Vorstandsmitglied Markus Grawe. Miteinander zu reden sei nun einmal die Basis für ein friedliches Miteinander. Die Besucherinnen und Besucher quittierten es mit Applaus.

Stadtdechant Heinz-Peter Teller
Superintendent Gert-René Loerken
Priester Stefan Vis
Ramona RuZan Nolde
Imam Muhamed Mermari
Ismalj Memishi
Moderator Ekkehard Rüger
Sparkassenvorstand Markus Grawe
Rat der Religionen in der Sparkasse Leverkusen