19.12.2016

Weihnachten unter Geschwistern
Superintendent Gert-René Loerken über religiöse Toleranz heute
In seiner Botschaft zum Weihnachtsfest 2016 wirbt Superintendent Gert-René Loerken für religiöse Toleranz. Zum friedlichen Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen gehört, einander mit Interesse und dem Wunsch nach Frieden zu begegnen:

Jede Zeit und jede Kultur entwirft ihr eigenes Bild von Weihnachten. Gott will bei uns, in unseren Herzen wohnen - das ist die christliche Sicht auf das Wunder der Weihnacht. Gott will auch, dass wir einander achten und wertschätzen und voneinander lernen. Denn er wohnt auch in den Herzen der anderen. Er ist geboren für alle Welt.

Gemeinsamkeiten und Neugier
Ich sehe, dass es viele Überschneidungen und Gemeinsamkeiten mit  anderen Religionen und Kulturen gibt, viel Toleranz und Offenheit. Das Mogulreich im nördlichen Indien ist ein wunderbares Bespiel für religiöse Toleranz. Bis ins 19. Jahrhundert lebten Juden, Christen, Moslems und Hindus friedlich und gleichberechtigt im Land der Großmogule nebeneinander. Man war sogar sehr neugierig darauf, was die anderen Religionen zu erzählen und vermitteln hatten.

Es gibt, was vielleicht manchen überraschen mag, auch im Koran eine islamische Weihnachtsgeschichte. Wie in der Bibel findet man die Ankündigung der Geburt Jesu (Sure 3 und Sure 19, 16-21) und die Geschichte seiner Geburt (Sure 19, 22-35). Maria hat sich von ihrer Familie zurückgezogen; da sendet Gott einen Engel zu ihr in Gestalt eines Mannes, der sich ihr als Gesandter Gottes vorstellt und ihr die Geburt eines Jungen ankündigt.

Jesus: "Sohn der Maria"
Ähnlich wie im Neuen Testament fragt Maria: "Wie sollte ich ein Kind bekommen, wo mich kein Mann berührt hat?" Sie erhält die Antwort: "Dein Herr sagt: Es fällt mir leicht" - Wenn Gott etwas beschlossen hat, kann er es auch ausführen. Jesus wird im Koran als "Sohn der Maria" bezeichnet, um zu betonen, dass er keinen menschlichen Vater hat, sondern einem Wunder Gottes sein Leben verdankt.

Christentum und Islam, das ist eine Geschichte von zwei Geschwistern, die sich sehr ähnlich sind und trotzdem so fremd. Eine Geschichte voller Konflikte und doch wieder Verständnis füreinander. Sie ist heute und muss heute eine Geschichte der Hochachtung vor der anderen Religion sein. Man darf die Religion des Islam nicht gleichsetzen mit den Verbrechen, die Gewalttäter angeblich im Namen Allahs begehen. Verblendete hat es immer gegeben und gibt es in allen Religionen und Weltanschauungen.

Frieden und Hilfsbereitschaft
Der Islam ist eine Religion des Friedens. Das Ziel muss sein, dass Muslime und Christen eines Tages in allen Ländern der Welt gleichberechtigt miteinander in Frieden und in gegenseitiger Hilfsbereitschaft leben können.