01.12.2016

Respekt vor den Alten
Wie sehen die Religionen ihre Verantwortung in einer älter werdenden Gesellschaft?
Murat Ates konnte rund 30 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer zur Ringveranstaltung des Rates der Religionen Leverkusen in der Ditib Moschee Kiesweg begrüßen.


Lebhafte Diskussionen zu einem aktuellen Thema im Rat der Religionen Leverkusen

In muslimischen Familien werden die Eltern respektiert, erklärte Ismalj Memishi. Der Koran gebietet an mehreren Stellen, die Älteren nicht wegen ihrer Schwächen zu benachteiligen, sondern sie freundlich zu behandeln, sich sorgfältig um sie zu kümmern und bis nach ihrem Tod respektvoll von ihnen sprechen. In den täglichen Gebeten, die Moslems pflichtgemäß sprechen, bitten sie um Vergebung für sich und ihre Eltern, um am Tag des Gerichts nicht bestraft zu werden. Daran zeige sich, wie eng die Verpflichtung für das Wohlergeben über Generationengrenzen hinweg verstanden wird. Mohamed Mermani betonte, dass das Glaubensbekenntnis und die Pilgerfahrt die Generationen verbinde. 

Im buddhistischen Glauben nehmen die Alten keine besondere Stellung ein, weil grundsätzlich alle Menschen, alle Lebenwesen und alle Dinge mit Respekt behandelt werden sollen. Marion Gen Rai Lukas von der Buddhistische Gemeinschaft Zaltho Sangha erklärte, dass diese Haltung gegenüber jedermann gelebt werden wolle, selbst in Konfliktsituationen, die es in Familien auch gebe. Vor allem solle jeder bei sich selbt beginnen und die Respektlosigkeit im eigenen Inneren beenden. Ältere Menschen würden sich bedauerlicherweise auch manchmal zurückziehen, wenn ihre Erfahrungen nicht abgefragt würden. "Bitte, erzählt uns Eure Gcshichten, lasst uns an Eurem Wissen teilheben", ermutigte sie die Älteren, sich den jüngeren Leuten gegenüber zu öffnen. 

Für das Christentum unterstrich der neuapostolische Priester Stefan Vis (Opladen), dass der Glaube Eltern und Kinder verbindet. Christen sollen gegenüber jedermann respektvoll sein. Das jüdisch-christliche Gebot, die Eltern zu ehren, könne auch heute jungen Leuten bewusst machen, wie viel fürsorgliche Eltern für sie getan haben. Umkehr des Elterngebotes ist, dass Eltern die Verpflichtung haben, Kinder so zu behandeln, dass diese gern das Gebot erfüllen, ihre Eltern zu ehren. 

In der Diskussion wurde deutlich, unter welch starken Veränderungen Familien heute leben: Globalisierung und Mobilität, Materialismus und Säkularisierung wirken ins Familienleben. 

Der Rat der Religionen Leverkusen will, dass durch die Ringveranstaltung sich Menschen verschiedener Religion begegnen und den Glauben der anderen kennen lernen. Das verstand Gastgeber Murat Artes als wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden im Land. 

Die Reihe soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden. 

Ditib Moschee Kiesweg