15.09.2016

Wie begegnen Religionen dem Bösen?
Rat der Religionen Leverkusen spricht über das Böse in der Welt
"Die Religionen stehen unter dem Verdacht, selbst Verursacher von Leid, Zerstörung und Hass zu sein," sagte Superintendent Gert-René Loerken bei einer Veranstaltung des Rates der Religionen Leverkusen. Dabei haben Religionen der Menschheit verbindliche Regeln für ein friedliches Leben gegeben. Die Zehn Gebote im Judentum und im Christentum sind vergleichbar mit islamischen und buddhistischen Lehren.


Mohamed Mermari und Ismalj Memishi, Gert-René Loerken und Marion GunRai Lukas

Angefangen bei Adam und Eva

Die Ursache des Bösen in der Welt sahen Christen und Muslime in der Sünde Adams und Evas. Priester Stefan Vis von der neuapostolischen Kirche Opladen betonte, dass seit dem Sündenfall kein Mensch ein sündloses Leben führen könne. Gott habe zwar das Böse nicht geschaffen, aber er lasse zu, dass seine Geschöpfe anders als Marionetten einen freien Willen haben und sich zwischen Gut und Böse entscheiden können. Immer bestehe die persönliche Verantwortung darin, gegen das Böse zu siegen. Im „Rausschmiss“ Adams und Evas aus dem Paradies sah Imam Mohamed Mermari den Beginn eines Kampfes zwischen Gut und Böse, den es zu gewinnen gilt: „Wenn ich gegen Gottes Gebote verstoße, ist das böse, wenn ich die göttlichen Gesetze befolge, ist das gut.“

Gott im Leid

Superintendent Gert-René Loerken sah im Zeichen des Kreuzes Gott selbst im Leid: „In jedem Menschen, der leidet, sehen wir Gott.“ Für den evangelischen Glauben sei typisch, auf Leid mit Handlungen zu reagieren: das Engagement für Frieden und Gerechtigkeit, aber auch die Angebote der Diakonie haben zum Ziel, Leiden zu lindern. Auch der Einsatz für eine gerechte Wirtschaftsordnung sei unter Christen durch die Einsicht motiviert, dass Religion nicht allein die inneren Überzeugungen betreffe, sondern auch ganz weltliche Dinge. Dagegen wollte Marion GenRai Lukas von der buddhistischen Gemeinschaft lieber im Nahbereich des eigenen Lebens durch Reflexion und Meditation über die eigene Verstrickung in böse Zusammenhänge nachdenken. Gier, Hass und Unwissenheit seien Geistesgifte, die zunächst erkannt werden müssen. Dabei helfe eine disziplinierte spirituelle Praxis wie die Meditation. Weil alles mit allem zusammenhängt, kann sie sagen: „Wenn das Böse in mir endet, endet das Böse."

Jeder kann Verantwortung übernehmen

Am Ende eines Abends, bei dem sich auch die Zuhörerinnen und Zuhörer intensiv am Gespräch beteiligten, fasste Loerken zusammen: „Wir haben über das ganze Leben gesprochen.“ Kein Lebensbereich ist frei von der Erfahrung, dass –auch willentlich- Böses geschieht. Dennoch empfahl Loerken, die Hoffnung nicht zu verlieren. Viele Menschen hätten längst eingesehen, dass niemand auf Dauer auf Kosten anderer leben kann. Marion GenRai Lukas: „Jeder Einzelne hat Einfluss und kann Verantwortung übernehmen.“

Fortsetzung folgt

Die Gesprächsreihe des Rates der Religionen wird fortgesetzt mit dem nächsten Thema: „Respekt vor den Alten – Wie sehen die Religionen ihre Verantwortung in einer älter werdenden Gesellschaft?“ (1.12.2016, 19 Uhr, Ditib Moschee, Kiesweg 7, 51373 Leverkusen)

Ismalj Memishi
Mohamed Mermari
Stefan Vis
Gert-René Loerken und Marion GunRai Lukas
Das Publikum beteiligte sich am Gespräch der Religionen.
(vl.n.r.:) Stefan Vis, Ismalj Memishi, Mohamed Mermari, Gert-René Loerken, Marion GunRai Lukas und Lev Ismikhanov