Aus der Geschichte des Kirchenkreises Leverkusen

Jung, den Menschen nah und experimentierfreudig

Seit  1.1.1962 gehörten die evangelischen Gemeinden in Leverkusen, Langenfeld, Monheim, Leichlingen und Burscheid nicht mehr zum Kirchenkreis Solingen. Sie bildeten eine neue Körperschaft, deren  Name erst noch gefunden werden musste: Niederwupper? Bergisch-Land? Nein, am Ende wurde der neue Kirchenkreis benannt nach ihrer größten Kommune: Leverkusen. 

In den Anfangsjahren wuchs die Bevölkerung, manchmal binnen eines Jahres um 6.000 Gemeindemitglieder im ganzen Kirchenkreis.  Pfarrstellen mussten errichtet und besetzt, Gemeindehäuser gebaut werden. Kreiskirchliche Dienste,  die Menschen in Not helfen, wurden auf- und ausgebaut: das Diakonische Werk und der Betreuungsverein, die Erziehungs- und Lebensberatungsstelle, die Suchthilfe (heute in Kooperation mit der Stadt Leverkusen). Es entstanden  Dienste für arbeitslose und für alte Menschen, für Menschen mit Schulden und mit Behinderung, der Allgemeine Soziale Dienst .  

Den Menschen nah sein - das Anliegen hat die Seelsorge mit heute 2 Pfarrstellen in den großen Kliniken in Schlebusch und Langenfeld. In den 1990er Jahren kam die Notfallseelsorge hinzu. Der Kirchenkreis sorgt für die Seelsorge für gehörlose Menschen, für Angehörige der Polizei und in der Schule. 1961 gab es nur einen Schulpfarrer, heute sind 10 Pfarrerinnen und Pfarrer im Religionsunterricht an weiterführenden Schulen  tätig und unterrichten mehrere Tausend Schülerinnen und Schüler. 

Ökumene vor Ort und weltweit

In den 50 Jahren wuchs das Bewusstsein, in der Einen Welt zusammenzugehören. Die ökumenische Bewegung erweiterte den Horizont. Die Partnerschaftsarbeit zu der tansanischen Karagwe-Diözese besteht seit über 25 Jahren, es gibt regelmäßige Besuche und wirkungsvolle Hilfsprojekte. Leverkusen ist am Gemeindedienst für Weltmission beteiligt. Frucht der Ökumene vor Ort sind gemeinsame Aktionen wie der Kirchenpavillon auf der Landesgartenschau 2005 in Leverkusen. Der Kirchenkreis ist auch Gründungsmitglied im Rat der Religionen Leverkusen. 

Frauen- und andere Bewegungen

Der neue Kirchenkreis war immer reform- und experimentierfreudig, wenn auch zwischen älteren und jüngeren Pfarrern und Presbytern der Ausgleich gesucht werden musste. Es änderte sich viel, wobei die Synodenthemen viel von den gesellschaftlichen Entwicklungen widerspiegeln: Wiederbewaffnung und Umweltschutz, Apartheit und Antijudaismus, Wirtschaft und Arbeitsleben, Männer und Frauen: Die Kreissynode Leverkusen hat 1968 noch die Landessynode gebeten, dass Theologinnen auch nach ihrer Verheiratung ordiniert werden können - bis dahin mussten sich Frauen zwischen Ehe und Pfarrdienst entscheiden. Heute gibt es 16 Pfarrerinnen (34 %). Für besondere Frauenbildungsarbeit steht der jährliche Frauentag (seit 1990) und der Kreisverband der Frauenhilfe, ein eigenes Frauenreferat  bestand bis 2010. Frauenbildung ist heute fester Bestandteil der Erwachsenenbildung.

Seinen 50. Geburtstag feierte der Kirchenkreis Leverkusen im Jahr 2012 mit einem Festgottesdienst am 25.1.2012 in Bergisch Neukirchen (Hier lesen Sie Predigten und Grüßworte). Bei einem Fest im Neulandpark an Pfingsten 2012 erlebten Gemeinden und Einrichtungen einen bunten Tag mit einem Freiluftgottesdienst, Bühnenprogramm und vielen Informations- und Aktionsständen (Hier sehen Sie Bilder des Tages). "Kunst - Kultur - Kirche" - eine 80-seitige Broschüre stellt im Stil eines Reiseführers durch den Kirchenkreis viele der Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten der Region vor (Erhältlich in der Superintendentur, Tel. 0214-382-202). Das Jubiläumsjahr umfasste auch einen Empfang im Forum Leverkusen, eine "Nacht der Offenen Kirchen", ein Mitarbeiterfest und eine Jubiläumssynode mit der Vizepräses der Ev.Kirche im Rheinland, Petra Bosse-Huber.

Christof Bleckmann